24. September 2022
Wie frei können Autoren ihre Schauplätze gestalten? Auch das ist eine Frage, die Michael und ich diskutieren. Ihm ist es wichtig, bekannte Orte originalgetreu darzustellen. So können die Leser einen Spielort wiedererkennen oder neu für sich entdecken. Ich lege weniger Wert auf genaue Beschreibungen. Große Dinge müssen stimmen, das schon. Aber zu recherchieren, wie es in der Lobby des Hotels aussieht, wo Katharina und Elias übernachten, geht mir dann doch zu weit.. Stattdessen will ich es...
04. September 2022
Bei Räumen, Orten und sonstigen Schauplätzen fehlt mir die Vorstellungskraft. Unsere Protagonistin Katharina König hat früher gesehen, kann sich also an visuelle Eindrücke erinnern oder sie wieder lebendig machen, wenn sie sich etwas beschreiben lässt. Aber ich bin von Anfang an blind. Und meine Texte, die einen Schauplatz zeigen, wirken häufig hölzern. Zumindest kommt mir das so vor. Aber Michael ist ein Schreibpartner, wie ihn sich wohl jeder blinde Autor wünscht. Als feststeht, wo...

31. Juli 2022
Je länger wir zusammenarbeiten, desto mehr Unterschiede stellen wir fest, wie jeder von uns an so ein Buchprojekt herangeht. Zum Beispiel ist uns das beim Plotten aufgefallen. Und jetzt wieder, in der Schreibphase. Denn ich verlangsame die Manuskripterstellung. Anstatt den ersten Entwurf herunterzutippen, wie das für Michael gut funktioniert, ziehe ich es vor, eine Szene direkt nach dem Schreiben zu überarbeiten. Dann erst schreibe ich die nächste Szene. Oft meldet sich die Lektorin in mir,...
20. Juli 2022
Jedes Buch hat einen Titel: Mal lange, mal kurze, witzige, aussagefähige oder unerklärliche. Und der Titel ist elementarer Bestandteil des Marketings. Schließlich prangt er groß auf dem Cover und steht hinterher für die gesamte Geschichte. Manchmal, so erging es mir beim »Haus der Bücher«, ist der Titel sofort klar. Denn so hieß das Haus in Königsberg ja tatsächlich. Bei »Wimmerholz« wurde es schon schwieriger. Doch mitten in der Schreibphase hörte ich im Radio dieses alte,...

19. Juni 2022
Wir steuern durch den Schreibprozess und merken schnell, dass wir manche Dinge noch nicht ausreichend besprochen haben. Daniela stellt mir beispielsweise Fragen zu Figuren, die mich überraschen, weil ich die Antworten ganz selbstverständlich kenne. Und Elias spricht in ihren Texten plötzlich anders, als ich es von ihm erwarten würde. Dann ergibt sich beim Schreiben, dass ich einen Nebencharakter neu entwickle. Jetzt tritt er nicht mehr auf, wie wir ihn gemeinsam erfunden haben. Aber weil...

13. Juni 2022
Michael hat Elias, den Partner von Katharina König, in meine Hände gelegt. Das bewegt mich sehr, denn irgendwie ist es ein großer Vertrauensbeweis. Ich werde die Szenen schreiben, die in Elias‘ Perspektive stehen. Also darf ich ihn als Figur und Persönlichkeit weiterentwickeln. Nur wenn ich mir vorstelle, dass ein Charakter, den ich geschnitzt habe, von jemand anderem geschliffen wird … Die Figuren sind für uns Autoren oft wie echte Menschen. Darum fällt es Michael bestimmt nicht...
16. Mai 2022
Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Schon Mai und wir haben die ersten Szenen geschrieben. Wer von uns beiden welchen Teil der Handlung ausarbeitet, haben wir im Februar abgesteckt. Da bin ich für einen intensiven Workshop zu Michael gefahren. In der Nacht vor meinem Aufbruch fegt ein Unwetter über das Land hinweg. Und ich denke noch, mit einem Schmunzeln auf den Lippen: »Ja, jetzt gehst du stürmischen Zeiten entgegen.« Tatsächlich verhaken wir uns manchmal beim Plotten. Ist ja...
01. Mai 2022
Langsam wird es ernst… Derzeit tauschen wir fleißig Infos aus, zu Spielorten, Personen und Ideen, aber ab Mai geht es ans Schreiben, so der Plan. Darum wird es höchste Zeit, dass ich mich nochmal in Katharinas Welt einfühle. In Vorbereitung auf »TABUN«, meinen ersten Thriller mit der erblindeten Protagonistin, hatte ich damals eine ganze Woche blind gelebt. Diesmal haben wir drei Tage geplant, aus Zeitgründen verkürze ich das allerdings weiter. Der unglaublich tolle Start und die...

14. April 2022
Im Vorfeld hat mich stark beschäftigt, wie wir gemeinsam einen Schreibstil finden. Ich sage auch gern »Schreibstimme« dazu, denn die Leser hören unsere Geschichte im Kopf. Außerdem redet jeder anders: Aufgeregt oder ruhig, in schnellem oder eher gemächlichem Tempo, in kurzen oder langen, verschachtelten Sätzen, mit viel oder wenig Fachvokabular und so weiter. Das kennen wir alle, wenn wir Leuten aus dem eigenen Umfeld lauschen. Und schriftlich drücken sich Autoren auch sehr...
31. März 2022
»Katharina hörte, wie er ein Papier aus der Hosentasche zog und es auf dem Tisch glattstrich.« Diesen Satz habe ich in »Tabun« gelesen, dem ersten Fall mit der ehemaligen Staatsanwältin Katharina König. Sie ist als Erwachsene nach einem Anschlag erblindet. Mir fehlt von Geburt an das Augenlicht. Wie ich meine Umgebung wahrnehme, unterscheidet sich also von dem, was Michael über Katharina schreibt. Denn späterblindete Menschen – oder in diesem Fall eine Figur – haben Dinge gesehen,...

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