Die Geschichten hinter der Geschichte


Eksjö, Schweden, Oktober 2012

 

Natürlich sind die aufregenden Erlebnisse von Martin, Greta und der kleinen Lena frei erfunden. Auch Hannes und Paul sind Geschöpfe meiner Phantasie, doch es hätte sie geben können! Sie stehen stellvertretend für die vielen Soldaten, die damals die Flucht über die Ostsee gewagt haben und am Ende doch nach Russland ausgeliefert wurden.

 

Einigen damals real lebenden Personen wie Dr. Rohde, Hauptmann Muck oder dem Außenminister habe ich hingegen nur einige zusätzliche Worte in den Mund gelegt. Meine Vermutung über den Verbleib des berühmten Schatzes fügt sich in eine Liste von weit über einhundert Theorien ein. Alle folgen Spuren, geheimnisvollen Hinweisen, Indizien und Aussagen angeblicher Zeugen. Meine Theorie ist nach intensiven Recherchen so gut möglich oder unmöglich wie alle anderen auch.

 

Auf meiner Recherchereise durch Schweden im Oktober 2012 durfte ich mit vielen lieben und interessanten Menschen sprechen, darunter Torsten Sellin, Sohn des damaligen Lagerleiters auf Gotland, einigen Söhnen damals internierter Soldaten oder des Wachpersonals, verschiedenen Historikern und Buchautoren wie Hartmut Pauldrach.

Ich erfuhr große Hilfsbereitschaft bei den Museen in Trelleborg und Eksjö, dem Riksarkivet in Stockholm und dem kleinen Verteidigungsmuseum auf Gotland. Ihnen allen gilt mein großer Dank.

Eindrucksvoller Höhepunkt war sicher mein Treffen mit dem 95-jährigen Zeitzeugen, dem Fotografen Sven Rosenlöf aus Eksjö, der die Anregung für den Fotografen Lars Rosenberg in meiner Geschichte war. Ich berichte von diesen Erlebnissen auch bei meinen Lesungen.

 

In den Gesprächen habe ich gespürt, welche große Verantwortung ich übernommen habe, trotz eines fiktiven Romans den Menschen und den dramatischen Ereignissen gerecht zu werden. Ich hoffe, ich konnte diese Erwartung erfüllen.



Im Meeresmuseum in Stralsund (in einer Kirche, absolut sehenswert!) fand ich im Januar 2012 bei meinen Recherchen dieses Fischerboot aus den 30er-Jahren, wie es in der Ostsee genutzt wurde. Die "Erika" war meine perfekte Vorlage für das Boot, mit dem meine Protagonisten über die Ostsee nach Schweden fliehen.

Allerdings ging es mir beim schreiben so, dass gefühlt das Boot dann etwas kleiner war...


Dazu gibt es noch eine wirklich unglaubliche Geschichte... Die Landkarte vorne in "Wimmerholz" hat mir eine befreundete Lehrerin gezeichnet. Sie wurde im Osten groß, u.a. lebte sie einige Jahre in Prora auf Rügen. Als ich ihr das Bild von diesem  Boot zeigte, musste sie lachen.


Als kleines Mädchen zu DDR-Zeiten war sie mit ihrer Schulklasse in diesem Museum in Stralsund. Die Lehrerin und die ganze Klasse mussten am Abend das ganze Museum nach ihr absuchen, bis sie sie schlafend in diesem Boot fanden.Irre, wie sich Geschichten und die Wege von Menschen kreuzen können...



Wer schon den ersten Teil gelesen hat oder mal hören will, wie sich das erste Kapitel anhört, wenn ein Profi das liest, kann das hier tun.


Siemen Rühaak, ein guter Freund und bek. Schauspieler, hat bei unseren ersten drei Lesungen im Mai 2014 gelesen...



Gotland, Oktober 2012

Das Fischerdorf Vitvärs liegt an der Ostküste Gotlands nördlich des Ortes Ljugarn. Wir entdeckten dieses historische kleine Fischerdorf mit seinen Hütten und Bootshäusern eher durch Zufall, den dorthin führt nur eine unauffällige kleine Straße. Ein aufregender Moment, denn sofort war mir klar, dass dies der perfekte Ort für die Ankunft meiner Protagonisten war.

500 Meter weiter findet man die "Folhammar Rauk", diese mysteriösen Kalksäulen, die hier am Strand stehen. Wirklich außergewöhnlich, wie ganz Gotland.



Im Oktober 2012 traf ich auf meiner Recherchereise auf Gotland in einem kleinen "Verteidigungsmuseum" Torsten Sellin, den Sohn des damaligen Lagerkommandanten. Er hatte einige Zeitzeugen zu einem Treffen versammelt und  schenkte mir zum Abschluß der großartigen Gespräche eine umfangreiche Kopie eines Fotoalbums, mit dem sein Vater die Zeit im "Lager Lingen" auf Gotland detailliert dokumentiert hat.


Das "Lager Lingen" zwischen Havdem und Grötlingbo im Süden Gotlands. Hier ein paar historische Aufnahmen, die zeigen, dass es den Soldaten zu dieser Zeit im Lager sehr gut ging. Sie hatten den Schrecken des Krieges hinter sich, die Flucht über die Ostsee überlebt und sahen erleichtert der Rückkehr in die Heimat entgegen... Dazu einige Bilder, wie das Gelände heute aussieht. Das Theater ist noch gut erkennbar, auch wenn das "Bühnenhäuschen" nicht mehr Original ist. Der Fußballplatz wird heute vom Sportverein Havdem genutzt. Ein Gedenkstein erinnert an die Geschichte des Geländes im Jahre 1945. Ab und zu, so wurde mir berichtet, liegen dort auch heute noch frische Blumen.


Warum eigentlich "Lager Lingen"? Diese Bezeichnung übernahmen die Schweden von den deutschen Soldaten, die ihr Lager zu dessen Anerkennung nach der Heimatstadt des "Lagerclowns" Theophil benannten. Aus dieser Stadt stammte auch der Schauspielte Theo Lingen, der den Namen der Stadt als Künstlernamen wählte.



Einen ganzen Tag durfte ich im Reichsarchiv in Stockholm in Originalunterlagen recherchieren und bekamn großartige Unterstützung durch einen Historiker dort, der mich mit allem versorgte.

Eine besondere Entdeckung waren die originalen gelben Interniertenkarten, Karteikarten, auf denen ein Passbild der Soldaten aufgeklammert war und auf der der Weg durch die Lager und durch Schweden genau dokumentiert ist.


Hier zunächst exemplarisch die Karte von Hauptmann Leopold Muck. Weitere Karten in der Galerie unten. Manche Gesichter erzählen schon für sich eine Geschichte...

 

Für mich war der Moment, als ich diese Karten in Händen hielt, sehr aufregend. Wenn man plötzlich Dokumente in der Hand hält, von denen man weiß, dass diese Person, über die man vorher nur gelesen hat und alte Bilder sah, diese Karte selbst damals in der Hand hatte...Puh, Gänsehaut pur!

Und mit den Bildern kamen mir die Männer plötzlich sehr, sehr nahe, das war sehr emotional.




Als ich mich im kleinen Stadtmuseum in Ekjö mit einem Historiker treffen wollte, hatte er zu meiner Überraschung rund 20 Leute zusammengerufen, die alle an meinem Porojekt großes Interesse hatten. Also durfte ich zunächst einen kleinen Vortrag auf englisch aus dem Ärmel schütteln, ein Interview mit der örtlichen Presse, und anschließend ganz viele spannende Gespräch und Interviews führen. Gekommen waren u.a. Kinder (ü60!), deren Eltern damals schwedische Soldaten im Lager waren, eine Krankenschwester und ein Polizist, der mir von den Demonstrationen erzählte.


Das wohl absolute Highlight meiner ganzen Recherche war das Treffen mit Lars Rosenlöf, dem 95-jährigen Herrn in dem roten Pullover! Er ist der Fotograf, der alle Fotos gemacht hat, die es vom Blutigen Freitag heute gibt!

Seine Erzählungen waren extrem emotional für mich. Dieses sehr bewegende Treffen hat mich veranlasst, zu seinen Ehren die Rolle des Fotografen in meiner Geschichte zu schaffen.


Als ich mich im kleinen Stadtmuseum in Ekjö mit einem Historiker treffen wollte, hatte er zu meiner Überraschung rund 20 Leute zusammengerufen, die alle an meinem Porojekt großes Interesse hatten. Also durfte ich zunächst einen kleinen Vortrag auf englisch aus dem Ärmel schütteln, ein Interview mit der örtlichen Presse, und anschließend ganz viele spannende Gespräch und Interviews führen. Gekommen waren u.a. Kinder (ü60!), deren Eltern damals schwedische Soldaten im Lager waren, eine Krankenschwester und ein Polizist, der mir von den Demonstrationen erzählte.

Das wohl absolute Highlight meiner ganzen Recherche war das Treffen mit Lars Rosenlöf, dem 95-jährigen Herrn in dem roten Pullover! Er ist der Fotograf, der alle Fotos gemacht hat, die es vom Blutigen Freitag heute gibt! Seine Erzählungen waren extrem emotional für mich. Dieses sehr bewegende Treffen hat mich veranlasst, zu seinen Ehren die Rolle des Fotografen in meiner Geschichte zu schaffen.

Das typisch rote Haus mit dem Innenhof ist das Gebäude in Eksjö, in dem die Tourist-Info untergebracht ist. Der Innenhof dahinter war für mich gedankliche Vorlage für das Gebäude von Tante Marit und Onkel Gustav mit seiner Druckerei...



Hier ein zweites absolutes Highlight meiner Recherchen im Reichsarchiv in Stockholm: der damals so lange geheimgehaltene Original-Regierungsbeschluss, der das Schicksal der 3.000 deutschen Soldaten besiegelte.


Das war wie ein Stromschlag, als ich erkannte, was ich da in einem der Kartons mit Regierungsunterlagen gefunden und vor mir liegen hatte...

Natürlich stellt sich die Frage, warum die Regierung damals diesen Beschluß fasste. Das interessiert die Deutschen ebenso wie noch viel mehr die Schweden. Dies wurde mehrfach untersucht, aber es gibt bis heute keine Klarheit. Ministerpräsident Hansson nahm die Antwort im Oktober 1946 mit ins Grab, alle anderen Regierungsmitglieder schwiegen ebenfalls.

 

Vermutlich wollten sich die Schweden nun den Aliierten gegenüber zugewandt zeigen vor dem Hintergrund des eher freundschaftlichen Umgangs mit den Deutschen während des Kriegs. Zudem war das russisch-schwedische Verhältnis noch nie sehr gut und in den letzten Jahrhunderten immer wieder von Kriegen geprägt. Die in den ersten Jahren aufgekommene Theorie, dass es im Hintergrund um einen Geschäft um Bodenschätze ging, ist unwahrscheinlich und es konnten keine Belege dafür gefunden werden.




Hier nun Originalfilmaufnahmen von der Lagerräumung in Ekjö. Ergreifend...Man kann sich vorstellen, wie sich die Männer fühlten. Die Szene, bei der auch das Foto für das Cover von Wimmerholz entstand, ist auch hier im Film zu sehen!



Hier nun noch ein Dankeschön für meine Leser!


Exklusiv für Euch veröffentliche ich hier nun die Melodie zu dem Lied, das Lena auf ihrer Geige am Zaun spielt. Komponiert wurde die Melodie von Siemen Rühaak anlässlich meiner drei Premierelesungen im Mai 2014. Die Fassung hier hat meine liebe Tochter Denise für mich eingespielt.

 "Lenchen, Lenchen Wimmerholz, Dein Vaterland, es ist zu stolz,

dein Mutterland find keine Ruh‘, und der liebe Gott schaut zu!"

Download
"Lenchen, Lenchen Wimmerholz" - die Melodie...
Lenchens Spiel.mp3
MP3 Audio Datei 4.1 MB