#7 Überraschende Perspektive (Daniela)

Wer schreibt was? Wie viele Perspektivträger zeigen sich überhaupt? Also Figuren, aus deren Blickwinkel die Geschichte verläuft. Da haben wir Katharina, die Protagonistin. Und an ihrer Seite steht Elias Bechstein. Ihm fällt es zu, ihr Dinge zu erklären, die Katharina ohne Augenlicht nicht wahrnehmen kann. Natürlich ist er »vollsehend«, wie das auf Neudeutsch so schön heißt.

 

Aber nur die beiden, das würde nicht für Spannung sorgen. Jeder Roman braucht einen starken Gegenspieler, damit es Konflikte gibt und allgemein etwas in Gang kommt. Auch vom Standpunkt des Widersachers können mehrere Szenen geschrieben werden. Dann vielleicht noch über Nebenfiguren wie Katharinas Ex-Mann oder die Tante von Elias.

 

Klar ist, dass jeder von uns – also Michael und mir – etwa die Hälfte der geplanten Seiten formulieren soll. Genau verteilen können wir das erst, wenn wir die Handlung und den Szenen-Fahrplan völlig ausgearbeitet haben. Aber ganz grundsätzlich müssen wir darauf achten, dass es plausibel bleibt und nachvollziehbar für die Leser. Denn jeder Autor hat einen anderen Schreibstil. Aber Katharina wird immer nur wie Katharina sprechen. Oder Elias wie Elias.

 

Also liegt es nahe, dass jeder von uns sich hinter eine dieser Hauptfiguren stellt. Und im Gespräch mit Michael frage ich plötzlich: „Was hältst du davon, wenn du Katharina übernimmst und ich Elias?“

 

Das springt mich an und erscheint mir wirklich reizvoll. Als blinde Frau müsste ich mich in Elias, einen Sehenden, hineinfühlen. Das ist zunächst nichts Neues. In aller Regel habe ich in meinen Romanen und kürzeren Texten nicht über blinde Personen geschrieben.

 

Allerdings auch nicht darüber, wie ein Sehender Mensch die »Welt der Blinden« kennen und begreifen lernt. Um 180 Grad muss ich dafür anders denken, als es mir vertraut ist. Und für Michael gilt dasselbe, in entgegengesetzter Richtung.

 

Er ist sofort begeistert von dem Einfall. So zu schreiben, praktisch mit vertauschten Rollen, wird uns zwar einiges abverlangen. Aber gerade weil wir tief reinspüren müssen, macht das den Thriller doppelt stark. Zumindest stellen wir uns das so vor.

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